Geschichten, Illustrationen

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Welche Funktion haben Geschichten und Illustrationen in der Predigt? Welche Stärken und Gefahren hängen damit zusammen?


Die Kraft von Geschichten
„Mein Großvater war lahm. Einmal bat man ihn, eine Geschichte von seinem Lehrer zu erzählen. Da erzählte er, wie der große Baalschem beim Beten zu hüpfen und zu tanzen pflegte. Mein Großvater stand und erzählte, und die Erzählung riß ihn so hin, dass er hüpfend und tanzend zeigen musste, wie der Meister es gemacht hatte. Von der Stunde an war er geheilt. So soll man Geschichten erzählen.“ (Martin Buber. Die Erzählungen der Chassidim, Manesse Verlag, Zürich, 1949. 6)

Ein guter Märtyrer
Der berühmte Erweckungsprediger Spurgeon war ein Meister der Illustration. Seine Predigt waren so packend und populär, dass für sie sogar Platzkarten vergeben werden mussten. Einmal saß Spurgen einmal in einem Gottesdienst und hörte die Predigt eines anderen an. Hinterher sagte er diesem Pfarrer, er könne wohl ein guter Märtyrer werden. Als der Pfarrer gerührt nachfragte, wie Spurgeon zu diesem Urteil kommt, da soll Spurgeon gesagt haben: ”Wer so trockene Gedanken in so dürre Worte packt, der brennt sicher gut!”

Vor dem Kopieren von Illustration wird gewarnt!
Es gibt die Geschichte von einem jungen Prediger, der einen alten Prediger bewunderte. Er dachte: “Wenn ich doch nur so predigen könnte wie er! Ich will mir mal seine Predigt anhören, vielleicht kann ich etwas von ihm übernehmen. Und so ging er dort in den Gottesdienst. Dort ging der alte Prediger auf die Kanzel und began seine Predigt mit den Worten: “Ich habe einige der wunderbarsten Momente meines Lebens in den Armen einer Frau verbracht, die nicht meine Frau war!“ Sofort hatte der Prediger die vollständige Aufmerksamkeit der Zuhörer. Jeder saß auf der Kante seines Stuhles und wollte wissen, was nun kommen würde. Und der junge Prediger dachte: „Wow, unglaublich! Er hat die volle Aufmerksamkeit.” Der alte Prediger fuhr fort und wiederholte langsam seinen ersten Satz: “Ich hatte also einige der wunderbarsten und bedeutungsvollsten Momente meines Lebens in den Armen einer Frau verbracht, die nicht meine Frau war!“ Nach einer kurzen Pause fuhr er fort “…. den Armen meiner Mutter!”
Der junge Prediger dachte: “Phantastisch! Das kann ich auch in meiner Predigt benutzen!“ Und so begann er einige Wochen später eine Predigt vor seiner Gemeinde mit den Worten: „Ich habe einige der wunderbarsten Momente meines Lebens in den Armen einer Frau verbracht, die nicht meine Frau war!“ Das saß. Seine Gemeinde war wie elektrisiert. Er spürte, dass er ihre volle Aufmerksamkeit hatte. Und um das zu unterstützen wiederholte er es mit viel Pathos: „Um es noch einmal unmissverständlich zu sagen: Ich habe einige der wunderbarsten und bedeutungsvollsten Momente meines Lebens in den Armen einer Frau verbracht, die nicht meine Frau war.“
Er weidete sich an der atemlose Stille, die im Raum lag. Er genoss die Pause. Er holte Luft um fortzufahren. Er wurde nervös. Und schließlich brach es aus ihm heraus: “Um Himmels Willen, ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wer das nur war!“

Dynamit in deiner Hand
Es gibt eine alte Geschichte über einen Fischer an einem großen amerikanischen See. Er war sehr erfolgreich. Während alle anderen Fphotodune-13739221-dynamite-xsischer mit geringem Fang nach hause kamen, hatte er immer außergewöhnlich reiche Beute. Er kam nie mit leerem Boot zurück, und die Leute wunderten sich, wie er das schaffte. Sein Boot war immer voller Fisch!
Eines Tages stand ein Fremder am Boot und fragte ihn: “Dürfte ich heute mal mit ihnen fischen gehen?” Der Fischer meinte wortkarg: “Von mir aus. Ich fahre da hin, wo ich immer einen guten Fang mache. Sie fuhren weit bis zu einer abgelegenen Bucht. Dort ging der Fischer vor Anker, griff in seine Manteltasche, zog eine Dynamitstange, zündete sie an und warf sie im hohen Bogen ins Wasser. Es gab eine große Explosion und viele tote Fische trieben an der Oberfläche. Da stand der Fremde auf und sagte: “Ich bin hier der Wildhüter und sie sind verhaftet!” Da griff der Fischer wieder in seinen Mantel, zog eine Dynamitstange heraus, zündete sie an und drückte sie dem Wildhüter in die Hand. „Was ist nun: Wollen sie nur rumsitzen und quatschen, oder wollen sie hier mit mir fischen?
* Es gibt nichts motivierenderes, als eine brennende Dynamitstange in die Hand gedrückt zu bekommen. Es zwingt uns uns zu entscheiden. Und plötzlich ist man mitten drin….
* Jesu Geschichten waren ebenso: Sie erzwingen Stellungnahme und ziehen uns hinein

Chancen und Grenzen von Illustrationen
„Einem vernünftigen Prediger (aber leide sind nicht alle vernünftig) muß es wichtig sein, die Aufmerksamkeit aller seiner Zuhörer vom ältesten bis zum jüngsten zu gewinnen. Wir dürfen auch die Kinder nicht unaufmerksam machen. „Unaufmerksam machen“, sagt ihr, „wer tut denn das?“ Ich sage, das tun die meisten Prediger, und wenn die Kinder in einer Versammlung unruhig sind, ist der Prediger sehr oft selbst daran schuld. Könnt ihr nicht den Kleinen zuliebe ein Geschichtchen oder ein Gleichnis erzählen? Könnt ihr nicht den kleinen Jungen auf der Galerie und das kleine Mädchen unten, die anfangen unruhig zu werden, anlächeln und sie dadurch beruhigen? Ich spreche oft durch meine Augen mit den Waisenknaben unter der Kanzel. Alle Augen müssen auf uns gerichtet, alle Ohren uns geöffnet sein. Mich stört es sogar, wenn ein Blinder sein Angesicht nicht nach mir wendet. Wenn ich sehe, wie jemand den Kopf dreht, flüstert, rückt oder auf die Uhr sieht, so denke ich, ich sei nicht auf der Höhe meiner Aufgabe und müsse irgendwie die Aufmerksamkeit der Betreffenden wecken. Ich habe mich selten über Unaufmerksamkeit zu beklagen; wenn es aber geschieht, so suche ich die Schuld bei mir selbst und denke, ich habe nicht Recht, Aufmerksamkeit zu fordern, wenn ich sie nicht rege zu machen und zu erhalten weiß.“ (Seite 59-60)
„Ich brauche vielleicht nicht erst zu bemerken, dass es für die große Menge der Zuhörer gut ist, wenn man recht viele Bilder in die Predigt einflicht. Unser Herr geht uns darin mit guten Beispielen voran, und die meisten großen Prediger bringen viele Bilder, Gleichnisse und Geschichten in ihren Predigten. Aber zuviel ist vom Übel. Hübsche Geschichten sind ja ganz recht, aber die Anziehungskraft einer Predigt darf nicht in ihnen liegen. Auch muß man sich vor manchen dieser Geschichten schon deshalb in acht nehmen, weil sie abgedroschen sind. Ich habe manche so oft gehört, dass ich sie nacherzählen könnte, aber es ist nicht der Mühe wert. Mögt ihr und eure Zuhörer in Gnaden vor solchen auf Lager gehaltenen Geschichten bewahrt bleiben. Wie langweilig sind alte Geschichten, mit denen man schon unsere Großväter zu unterhalten pflegte! Wenn ihr Geschichten erzählen wollte, so seien sie frisch und eigenartig. Macht eure Augen auf, und pflücket selbst Blumen in Garten und Feld; die werden euren Zuhörern viel besser gefallen als welke Blüten aus andrer Leute Sträußen. Eure Bilder seien zahlreich und treffend, aber schöpft sie möglichst wenig aus fremden Quellen, sondern lasst sie geschickt aus eurem Stoff herauswachsen.“ (Charles Haddon Spurgeon. Ratschläge für Prediger. Wuppertal: Onken Verlag,1996 (5. Taschenbuchauflage), Seite 65)

Sprüche zu „Geschichten, Illustrationen“
1. Es gibt Maler, die machen aus der Sonne einen gelben Fleck. Und es gibt Maler, die machen aus einem gelben Fleck eine Sonne. (Publo Picasso)


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