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Luther-Trallala

In Theologie, Kirche by PestelKommentar hinterlassen

Jetzt ist es also soweit. Wir blicken zurück auf 500 Jahre Protestantismus, und voraus auf 365 Tage mit Luther-Feiern. Wir werden Luther-Bücher sehen, 95 Wünschdirwas-Thesen hören und Luther-Bonbons lutschen. Doch mir ist, ehrlich gesagt, nicht so sehr nach feiern zumute.

Das liegt nicht an Luther selbst. Nein, seine großartiger Beitrag für Glauben und Kirche, für Freiheit und Kultur steht für mich außer Frage, etwa die Wiederentdeckung des Evangeliums von Kreuz und Glaube, die Übersetzung der Bibel ins Deutsche oder Bücher wie „Die Freiheit eines Christenmenschen“. Da wir Evangelischen keine Heiligen verehren, fällt es mir auch nicht schwer, die Fehler Luthers klar zu sehen. Doch wer wäre im 16. Jahrhundert nicht ähnlich groben Fehlern und Fehleinschätzungen erlegen?

Bei aller Freude an Luther selbst, ist mir jedoch nicht zum Feiern zumute, denn ich frage mich, was nach 500 Jahren aus der Reformation geworden ist. Wo stehen wir heute? Ist da noch die heiße Glut des Glaubens, der Freude und des Mutes, oder ist da nur die kalte Asche der Erinnerung? Ich bin da skeptisch und muss in den Ballon der Luther-Euphorie drei kleine Löcher picksen.
1) Welche der reformatorischen Errungenschaften sind für die protestantischen Kirchen (EKD und Freikirchen) heute noch prägend? Sind SOLA Scriptura, SOLA Gratia und SOLA Fide nicht durch historisch-kritische Exegese und kirchlichen Pluralismus längst ausgehöhlt und praktisch aufgegeben? Die Banner der Wahrheit stehen noch – allerdings im Museum.
2) Die evangelischen Kirchen erleben einen dramatischen Bedeutungsverlust. Waren die Deutschen 1950 zu über 50% evangelisch, sind es heute unter 30%. Auch die Freikirchen betrifft das, und die Baptisten stagnieren „nur“, da Migranten-Gemeinden dazu kommen.
3) Es war einmal mutig, als „Protestant“ aus dem Mainstream von Gesellschaft und Tradition auszusteigen. Luther wurde dafür mit der Reichsacht belegt und andere bezahlten das mit ihrem Leben. Heute aber sind die evangelischen (Frei-)Kirchen selbst im Mainstream, oder wo würden sich ihre ethischen Positionen etwa von denen der „Grünen“ unterscheiden? Und so können böse Zungen heute mit einigem Recht über den Protestantismus sagen: Der Protest weg – nur die Tanten sind geblieben…

Ich sage das nicht, um irgendwen zu beschimpfen, ich sage dies vielmehr aus Liebe zur Reformation. Und ich sehe mit Schmerz, dass uns nicht nur 500 Jahre von Luther trennen, sondern eine tiefe und oft programmatische Distanzierung vom Erbe der Reformation. Doch dann fällt mir – ja – Martin Luther ein! Auch er erlebte, dass das wiederentdeckte Evangelium und die Befreiung von Ablass, Heiligenverehrung und Werkgerechtigkeit, angefochten waren. Die Sache stand schon immer auf Messers Schneide! Doch er hielt in dem Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ fest, was auch heute gilt:
Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren;
es streit‘ für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott,
das Feld muß er behalten.

Das ist unsere Freude und Grund zu feiern – seit 2000 Jahren, seit 500 Jahren und heute! Und das verbindet alle Christen der katholischen und der evangelischen (Frei-)Kirchen, die darauf vertrauen!
Christian Pestel (4.11.2016)


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