Neue Sprache, neue Zeit3

Neue Sprache, neue Zeit?

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Ich habe ein neues Hobby! Mein neuster Spleen ist es Zeitungs-Überschriften zu sammeln. Sie zeigen mir, wie sich Sprache und Zeit wandeln. Man setzt uns da Worte vor, die wir bisher kaum gebraucht haben, etwa
„Die AfD ist eine Schande für jedes Parlament“
„Der Hass kehrt zurück nach Hellersdorf“
„Ekelhafte Grabscher in Köln“
„Facebook: Hetze im Sekundentakt“
 
„Hass“, „Ekel“, „Schande“ und „Hetze“ haben Konjunktur, dazu Diffamierungen wie „linke Lügenpresse“, „rechte Dumpfbacken“, „Pack“ und anderes. Ich bitte um Vergebung: Habe ich da irgendetwas verpasst? Seit wann reden wir in Deutschland so? Seit wann machen Zeitungen außer der „Bild“ damit ihre Schlagzeilen? Mich erschreckt es, wie die Sprache verroht und die öffentliche Diskussion vergiftet.
Den Knaller hat unser EU-Kommissar Oettinger abgeschossen, der es mit dem Satz in die Schlagzeilen geschafft hat: „Wenn ich mit Frau Petry verheiratet wäre, würde ich mich erschießen“ Ist das nicht eine bedauerliche, menschenverachtende Äußerung? Doch heutzutage kann man damit in Amt bleiben, denn mit „Hass“ und „Schande“ kann man gut politische Meinungen verkaufen – und Zeitungen.
 
Mir zeigt mein kleines „Hobby“, dass eine neue Zeit angebrochen ist, die sich in einer neuen, gewaltbereiten Sprache äußert. Doch da mir diese Sprache nicht gefällt, gebe ich hiermit kund und zu wissen:
1)    Ich weigere mich, vorschnell von „Hass“, „Schande“ und „Hetze“ zu sprechen – und ich bleibe skeptisch, wenn andere das tun. Anderen Hass oder Populismus vorzuwerfen kann selbst Hass sein oder populistisch.
2)    Ich verweigere mich allen Diffamierungen wie „Pack“, „Hetzer“ oder „Lügenpresse“. Es sind Stacheldraht-Worte, die abstempeln und einen Dialog unmöglich machen – vor allem wenn Politiker oder Zeitungen sie nutzen.
3)    Ich will den Dialog suchen und keinen ausschließen! Auch Salafisten sind Menschen! Auch mit AfD-Politikern muss man respektvoll reden! Auch Herrn Oettinger ist trotz seiner Entgleisungen ein Demokrat! Wenn wir auf Gegner verbal eindreschen, werden wir Teil der sich aufschaukelnden Aggression.
4)    Wir sollten das Evangelium von Jesus als Kraft der Versöhnung und des Friedens kenntlich machen: Gott liebt alle Menschen! Er überwindet unsere Kälte! Er hilft gegen alle Ängste! Der christliche Glaube verbindet Menschen über alle Grenzen hinweg! Ja, wir können sogar die lieben, die uns hassen! In dieser umkämpften Zeit kann das Evangelium von Jesus umso mehr leuchten!
 
Um nun keinen zu irritieren, der schon von der Polarisierung angesteckt ist, noch ein Wort – und weil man sich mittlerweile vor Unterstellungen schützen muss, noch ehe sie geäußert werden: Ich wähle ausdrücklich nicht die AfD, habe keinerlei Sympathie für Pegida und bin fassungslos über jegliche Aggression in der Flüchtlingsthematik. Doch ebenso bin ich erschrocken über die Instrumentalisierung des Hasses an anderen Stellen, etwa in Politik und Medien. Als Christ werde ich sorgsam darauf achten, mich nicht anstecken zu lassen, sondern jedem mit Achtung und Wertschätzung zu begegnen. Ich glaube, dass die Liebe stärker ist als der Hass bzw. als der Kampfbegriff des Hasses.         Christian Pestel


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